Corona: Lauterbach warnt Deutschland vor neuer Mutation – erstes Bundesland fordert Komplett-Lockdown



Die Corona-Lage in Deutschland bleibt auch im neuen Jahr angespannt. Das RKI meldet einen neuen Rekord bei den Todesfällen. Mit der Virus-Mutation B.1.1.7 droht eine neue Gefahr.

  • In Deutschland sind erste Fälle der Corona-Mutation B.1.1.7* entdeckt worden.
  • Karl Lauterbach warnt vor einer dritten Welle der Coronavirus-Pandemie* (siehe Erstmeldung).
  • Das Divi-Zentralregister befürchtet 600 Neuaufnahmen auf Deutschlands Intensivstationen täglich (siehe Update vom 8. Januar, 22.06 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 8. Januar, 22.06 Uhr: „In den nächsten Tagen werden wir die Auswirkungen von Weihnachten
und Silvester auf den Intensivstationen erleben“, befürchtet Divi-Präsident Gernot Marx vom Universitätsklinikum Aachen. Das Intensiv-Zentralregister rechnet demnach mit bis zu 600 Neuaufnahmen auf Deutschlands Intensivstationen täglich. Aktuell werden dort rund 5500 Covid-19-Patienten behandelt. 

Diese Prognosen stützen sich auf die Zahl der Neuinfektionen bis 23. Dezember. Seit den Weihnachtstagen gelten die Daten nicht mehr als aussagekräftig – es wird erst Mitte Januar mit einer Rückkehr zu validen Zahlen gerechnet. Das RKI gibt den bundesweite Sieben-Tage-R-Wert mit 1,09 (Vortag: 0,92) an, aber auch der R-Wert könne aktuell unterschätzt werden.

Als erstes Bundesland hat Sachsen klargestellt, dass der aktuelle Lockdown verlängert wird. Bis 7. Februar soll er mindestens gelten.

Corona in Deutschland: Sachsen empfiehlt älteren Mitbürgern dringend, die Öffentlichen nicht zu nutzen

Update vom 8. Januar, 20.03 Uhr: Sachsen warnt seine älteren Bürger: Sie sollen den öffentlichen Nahverkehr meiden. Dazu hat die sächsische Regierung aufgerufen. Nach einer Kabinettssitzung am Freitagabend sprachen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) von einer „dringlichen Empfehlung“. Aktuell seien die Öffentlichen zu etwa 40 Prozent ausgelastet. Hohe Taktungen sollen aufrechterhalten werden.

Corona: Lauterbach warnt Deutschland vor neuer Mutation – erstes Bundesland fordert Komplett-Lockdown

Update vom 8. Januar, 15.58 Uhr: Mitten in der Corona-Pandemie haben sich rund 35 Personen in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Berlin getroffen, offenbar um illegale Glücksspiele zu veranstalten. Die Polizei fand in der Nacht zum Donnerstag Spielkarten und beschlagnahmte Bargeld im fünfstelligen Bereich sowie zwei Glücksspielautomaten. Das teilte die Behörde am Freitag auf Twitter mit.

Einige der Menschen hielten sich demnach illegal in Deutschland auf und wurden zum Teil festgenommen. Zudem sei unklar, wem die Wohnung überhaupt gehöre, hieß es weiter. Die Beamten hätten zahlreiche Anzeigen geschrieben, nicht nur wegen des Verdachts des illegalen Glücksspiels, sondern auch wegen Verstößen gegen die Corona-Auflagen. Den Angaben zufolge hatten sich zunächst Anwohner über Lärm in der Erdgeschosswohnung im Ortsteil Alt-Hohenschönhausen beschwert und damit den Einsatz der Polizei ausgelöst.

Corona in Deutschland: Thüringens Ministerpräsident Ramelow fordert Komplett-Lockdown

Update vom 8. Januar, 14.35 Uhr: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich für noch weitreichendere Regeln im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland ausgesprochen. „Wir müssen endlich in einen richtigen Lockdown gehen“, sagte er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Bei MDR Aktuell forderte Ramelow einen Lockdown, der auch für die Wirtschaft gilt. „Wir müssen jetzt einfach einmal komplett eine Pause machen“, sagte Thüringens Ministerpräsident. „Ich sehe keine Alternativen. Der Fehler, den wir in ganz Deutschland gemacht haben, war, dass wir den Dezember nicht genutzt haben, um tatsächlich auch die allgemeine Wirtschaft in eine Pause zu schicken.“

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow fordert einen Corona-Lockdown für die allgemeine Wirtschaft. (Archivbild)

© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt

Ramelow kritisierte auch die Ungleichheit der bisherigen Maßnahmen, für die ausschließlich Gastronomen, Hoteliers, Künstler und Solo-Selbstständige, Schausteller und alle Kinder zur Pandemieabwehr in Verantwortung genommen würden – die gesamte weitere Wirtschaft aber so tue, als wäre nichts.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe den heftigen Anstieg der Infektionszahlen schon im Oktober vorausgesagt. „Die Kanzlerin hatte Recht, und ich hatte Unrecht“, erklärte Ramelow rückblickend. Der Thüringer Landeschef hatte sich lange gegen besonders harte Maßnahmen in der Pandemie gestemmt.

Corona in Deutschland: RKI meldet neuen Rekord bei Todesfällen

Erstmeldung vom 8. Januar: München/Köln – „Wir müssen ehrlich sagen, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen“, bilanzierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Podcast „Die Wochentester“ des Kölner Stadt-Anzeigers. Die Corona-Lage in Deutschland hat sich im neuen Jahr keineswegs entspannt – eher im Gegenteil. Der Lockdown wurde verlängert, das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete einen Rekordwert und nun droht nach ersten Fällen der Virus-Mutation B.1.1.7 bereits die nächste Gefahr.

Zwei Wochen nach Weihnachten hat das RKI am Freitagmorgen einen neuen Höchstwert mit 1188 Corona-Todesfällen innerhalb eines Tages vermeldet. Zudem meldeten die Gesundheitsämter im selben Zeitraum 31.849 Neuinfektionen. Bei der Interpretation der Fallzahlen sei weiter zu beachten, dass über die Feiertage vermutlich weniger Menschen einen Arzt aufsuchten, weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt wurden, hieß es vom RKI.

Corona in Deutschland: Inzidenz-Zielwert von 50 laut Lauterbach zu hoch

„Dies kann dazu geführt haben, dass weniger Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet wurden.“ Heißt: es könnte eine hohe Dunkelziffer an nicht gemeldeten Corona-Fällen* geben. Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland liegt aktuell bei 136,5. Dieser Wert sei aber ebenfalls mit Vorsicht zu bewerten. Vom Zielwert 50 ist noch weit entfernt. Daher wurde der Lockdown* in Deutschland nach dem Corona-Gipfel vorerst bis zum 31. Januar verlängert und einige Regeln verschärft.

Diese Entscheidung war alternativlos, stellte Lauterbach im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger klar. „Zu früh aus dem Lockdown bedeutet eine dritte Welle“, warnte der SPD-Gesundheitsexperte. Er gehe nicht davon aus, dass der Inzidenz-Zielwert von 50 bis zum 31. Januar erreicht werde. Dieser sei ohnehin zu hoch angesetzt. „Ich kenne eigentlich keinen einzigen Virologen oder Epidemiologen, der sagt: ‚50 ist sicher‘. Alle sagen, es muss niedriger sein“, so Lauterbach.

Corona in Deutschland: Lauterbach sieht große Gefahr in Mutation B.1.1.7. – „Angst vor einer dritten Welle“

Eine weitere große Gefahr sieht der Mediziner in der Corona-Mutation B.1.1.7* aus Großbritannien. Diese wachse in England weiter, obwohl das Land im Lockdown ist. „Das muss uns zu denken geben“, mahnte Lauterbach. Erste Fälle der Mutation B1.1.7 sind inzwischen auch in Bayern und Sachsen aufgetreten.

Sollte sich die Variante des Coronavirus* weiter im Land ausbreiten, kommen wohl weitere Einschränkungen auf die Menschen in Deutschland zu. „Dann sind natürlich viel drastischere Maßnahmen notwendig, um das Gleiche zu erreichen. Wir haben alle Angst vor einer dritten Welle mit der neuen Mutation“, erklärte Lauterbach.

Corona in Deutschland: Hamburg setzt verschärfte Verordnung in Kraft

Mit Hamburg hat heute um Mitternacht das erste Bundesland eine verschärfte Corona-Verordnung in Kraft gesetzt. Demnach müssen die Hamburger ab Freitag ihre Kontakte weiter einschränken. Angehörige eines Haushalts dürfen nur noch mit einer Person eines anderen Haushalts zusammentreffen. Bisher waren Kontakte auf fünf Menschen aus maximal zwei Haushalten beschränkt. Für Kinder gibt es anders als bisher keine Ausnahme mehr. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka



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